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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Stimmt es wirklich, Herr Dombret, ...

... dass die deutschen Banken ihre Kapitalkosten nicht verdienen? Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hat den Banken auf der Handelsblatt-Tagung „Neue Entwicklungen in der Bankaufsicht“ scheinbar die Leviten gelesen. Sie verdienten zu wenig und lebten von der Substanz, zitiert ihn das Handelsblatt.. „Wenn nur sechs Prozent der Banken ihre Eigenkapitalkosten verdienen, dann ist das ein Problem, das man auf Dauer abstellen muss. Nur wenn eine Bank auf Dauer ausreichend profitabel ist,

kann sie auch für schlechte Zeiten genug Kapital bilden“, sagte er. Es gibt wahrlich unangenehmeren Tadel für eine Bank  als die bundesbankoffizielle Aufforderung, seine Kunden stärker zu schröpfen und sich ertragreicheren und damit auch risikoreicheren Geschäften zuzuwenden. Und das alles im Dienste der Finanzstabilität.

Dombret verbirgt die Lobbyismusfunktion seiner Aufforderung hinter dem Unwort Kapitalkosten. Der Begriff dient dazu, Gewinne in Kosten umzudefinieren. Kapitalkosten sind nämlich die Aktionäre und sonstige Anleger von einer Bank oder einem anderen Unternehmen erwarten. Wenn diese Erwartungen enttäuscht werden, dann verdient die Bank ihre Kapitalkosten nicht, auch wenn sie noch einen erklecklichen Gewinn erzielt. Nach der Dombretschen Rhetorik elbt sie dann von der Substanz, was blühender, interessengeleiteter Unsinn ist. In Wahrheit hat sie nur weniger verdient als die vielleicht völlig überzogenen Erwartungen der Aktionäre. Wenn die deutschen Institute 70 Cent aufbringen müssen, um einen Euro zu verdienen, dann ist das kein Ausweis von ertragsschwäche, wie uns das vorgegaukelt wird, sondern es entspricht einer riesigen Gewinnspanne. Und dabei sind die weit überdurchschnittlichen Gehälter, die dem Spitzenpersonal in dieser Branche gezahlt werden, noch nicht einmal berücksichtigt. Man kann diese auch als eine Form der Ausschüttung hoher Gewinn betrachten.

Peinlich ist: Andreas Dombret macht sich eine fragwürdige Studie der Beratungsgesellschaft Bain zu eigen, die den von der Bundesbank pubizierten Daten zur Eigenkapitalrentabilität der Banken diametral widersrpicht. Bain kommt auf durchschnittlich 1,6 Prozent Nachsteuerrendite in den Jahren 2011 bis 2013. Die Bundesbank kommt auf über fünf Prozent. Auffällig ist auch, dass die Studie von Bain uns vorenthält, was denn genau mit "Eigenkapitalkosten" gemeint ist, die sie so prominent zum Maßstab macht, oder gar wie diese berechnet werden. Sonst würde sich vielleicht schon der ein oder andere Leser fragen, ob "Kosten" der richtige Ausdruck für so etwas ist.

Herr Dombret, der früher für Rothshild und Bank of America gearbeitet hat, ist nicht nur Bundesbank-Vorstand, sondern auch Schatzmeister der von Eric M. Warburg gegründeten Atlantik-Brücke und Schatzmeister des Vereins für Socialpolitik, dem Verband der deutschsprachigen Ökonomen. Er ist also nicht ganz unwichtig.

Her Dombret, weiter so! Ihre Schutzbefohlenen werden es ihnen danken. Deren Kunden und die Steuerzahler können ihnen ja egal sein.