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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Die CSU möchte ausgerechnet mich als Influencer gewinnen

Am Freitag den 13. (kein gutes Omen) möchte der CSU-Generalsekretär in München ein Gespräch mit mir führen, "ohne große Öffentlichkeit und Presse", weil ich offenbar ein „sogenannter Influencer“ bin. Denn auf meinem Blog, das stimmt schon, „informieren sich Menschen und diskutieren gesellschaftliche Fragen“. Deshalb will die CSU ihre politische Kommunikation auch bei mir stattfinden lassen. Das sei wichtig für die unter Druck stehende Demokratie. Dass ich nicht in Bayern lebe und schreibe und mit der CSU politisch nicht allzu viel am Hut habe, scheint kein Hindernis zu sein.

Die CSU war „die erste Partei, die Influencer zum Parteitag eingeladen hat, damit diese (ihr) über die Schulter schauen und mit den Delegierten und Gästen des Parteitags ins Gespräch kommen können“, erfahre ich in einer Einladungsmail aus der Münchner CSU-Zentrale. Offenbar weil so gut wie keiner der eingeladenen Influencer gekommen ist, wirft man das Netz nun etwas weiter und lädt auch mich ein zum Gespräch mit Generalsekretär Markus Blume und dem Social Media Team der CSU, damit ich mit der Partei „digital neue Wege“ gehe.

Neue Wege verlangen Orientierung. Nachdem die erste Social Media Kampagne der CSU vor der Landtagswahl 2018 eine Bauchlandung war, und auch die CSYOU-Antwort auf den Youtuber Rezo als verunglückte Peinlichkeit in die Annalen der Parteienwerbung einging, will man nun offenbar erst einmal die Szene der Influencer kennenlernen, und von ihnen lernen, bevor man die nächsten Schritte wagt. Nachdem das mit der Einladung zum Parteitag nicht so recht geklappt hat, kommt nun ein zweiter Versuch.

Ich kann und will zwar nicht nach München kommen, auch weil das Treffen nicht ganz so persönlich zu werden verspricht, wie das Anschreiben den Eindruck erweckt. Zu groß und beliebig ist erkennbar der Kreis der Eingeladenen. So groß, dass es für eine persönliche Anrede nicht reicht, sondern nur zu einem „Servus“. Blume hilft sich im ersten Anschreiben noch durch unpersönliche Wendungen über das Du-Sie-Dilemma hinweg, entscheidet sich aber im Abspann dann doch noch für das Sie. In der Einladungserinnerung vom Social Media Team werde ich dann aber geduzt, wieder ohne persönliche Anrede. Meine Antwortmail konnte nicht ausgeliefert werden.

Daher will ich auf diesem Weg meine Tipps beitragen. Sie basieren auf dem, was die Schleichwerbeagenturen besser machen als die CSU, die mir ein bis zwei Mal pro Woche Anfragen schicken, wie viel es denn kosten würde, einen von ihren Klienten geschriebenen "hochwertigen" Beitrag mit Verlinkung auf meinem Blog zu stellen:

  1. Checkt vorher, wer das ist, den Ihr anschreiben und einladen wollt.
  2. Ladet niemand ein, der Euch nicht fünf Minuten Recherche wert ist.
  3. Wenn Ihr seinen Namen herausgefunden habt, redet ihn mit Namen an.
  4. Lasst es nicht bei Floskeln, sondern sagt, worum es gehen soll.
  5. Weckt keine falschen Erwartungen.
  6. Lasst erkennen, dass die Einladung Vorteile bietet.
  7. Wenn einer der Tipps nicht umsetzbar sein sollte: Lasst es sein.

[3.12.201]