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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Die steuerbefreite Globalisierungspropaganda der Bertelsmann Stiftung

Der Organisation Attac, die für eine Finanztransaktionssteuer wirbt und sich an verschiedenen Kampagnen für Reformen im vermeintlichen öffentlichen Interesse beteiligt, wurde der Gemeinnützigkeitsstatus aberkannt. Ganz anders bei der Bertelsmann Stiftung, die dank ihres massiven politischen und medialen Einflusses Politik macht, oft zum Nutzen des Bertelsmann-Konzerns, und allzu oft mit manipulativen Studien. Hier ein neues Beispiel.

Folgendes hat die Stiftung gerade auf Ihrer Website publiziert, basierend auf einer Studie zu den Vorteilen der Globalisierung:

„Seit das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) in Kraft getreten ist, ist das Land „open for business“. Das reale BIP je Einwohner ist in Mexiko zwischen 1990 und 2016 um 2.070 Euro gestiegen. Davon sind rund 270 Euro der zunehmenden Globalisierung zu verdanken. Die Resultate sprechen für sich: Die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten haben dazu beigetragen, die Lebensqualität im Land während der letzten Jahre deutlich zu steigern. Hier profitierten hauptsächlich die Bereiche Bildung und Gesundheit sowie der Arbeitsmarkt.“

Um 270 Euro oder sensationelle 10 Euro pro Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner also globalisierungsbedingt gestiegen. Das macht etwa 0,1 Prozent pro Jahr, deutlich unterhalb des Messfehlers und sehr weit unterhalb der Schwankungen des Wechselkurses. Diese 10 Euro pro Person und Jahr haben also die Lebensqualität im Land deutlich gesteigert, wovon vor allem Bildung und Gesundheit profitiert haben sollen.

Das ist solch lächerliche Propaganda, dass einem fast die Worte fehlen. Wenn man dann noch ins Bild nimmt, dass die ohnehin extreme Einkommensungleichheit noch zugenommen hat, dann bedeutet das, dass für ärmere Mexikaner und wohl für die Mehrheit der Bevölkerung kein Wohlstandsgewinn durch die Globalisierung und vermutlich sogar ein Rückgang herausgekommen ist. So heißt es etwa in einem Òxfam-Bericht von 2015:

„Obwohl die mexikanische Wirtschaft zwischen 2005 und 2014 kaum Wachstum verzeichnete, der Durchschnittslohn gleich blieb und die Anzahl derer, die in Armut leben, eher zunahm, gelang es den Milliardären, ihren Wohlstand jährlich um durchschnittlich fünf Prozent zu steigern.“

Das ist eine Stoßrichtung, wie man sie auch von Attac kennt, also nicht gemeinnützige politische Bildung, sondern Kampagnentum; mithin etwas ganz anderes als die selbstlosen Initiativen der Bertelsmann Stiftung zur konzernfreundlichen Meinungsmanipulation.

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[4.3.2019]