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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

STIMMT ES, DASS... ... Handys mit leerem Akku eine Sicherheitsgefahr sind?

Die US-Flugsicherheitsbehörde erlaubt bei Flügen in die USA die Mitnahme von Elektrogeräten nur noch, wenn der Akku geladen ist. Für Passagiere ist das lästig, als Maßnahme gegen Terroristen lächerlich. Die Ankündigung der US-Flugsicherheitsbehörde, künftig bei Flügen aus Europa niemand mehr mit leerem Handy-Akku an Bord zu lassen, erinnert mich frappierend an das im Nachhinein spektakulär

hellsichtige Buch des US-Humoristen Dave Barry "Jede Menge Ärger", das unter dem Originaltitel "Big Trouble" 1999 erschien.  Das war die Zeit, als es noch bei jedem elektrischen Gerät im Handgepäck an der Sicherheitskontrolle hieß: "einschalten". Wenn mindestens ein Lichtlein aufleuchtete, war alles gut, selbst wenn es sich um einen großen Ghettoblaster handelte, bei dem neben der dafür nötigen Elektronik noch Platz für fünf Kilo Sprengstoff gewesen wäre. Laptops galten damals als hochgefährlich in Sachen Flugsicherheit. 

In "Big Trouble" marschiert ein nichtsahnender Kleinkrimineller mit einer Bombe, die für den Abwurf über New York bestimmt ist, zur Sicherheitskontrolle.  Nachdem er beim Öffnen des Koffers ein elektronisches Gerät bemerkt, fordert der Sicherheitsbedienstete den Besitzer zum Einschalten auf. Als dieser der Aufforderung nachkommt, beginnt eine Uhr herunterzuzählen. Der Sicherheitsmann ist irritiert, aber in diesem Moment gibt es einen "Laptop-Alarm" an einem anderen Band und sämtliche Kontrolleure eilen dorthin, um das gefährliche Gerät zu untersuchen. Der Träger der Bombe kann unbehelligt weitergehen. Der Unsinn der real existierenden Sicherheitskontrollen - wie übrigens auch das völlig dysfunktionale Nebeneinander konkurrierender Sicherheitsbehörden - waren ausweislich dieses Buches schon zwei Jahre vor dem 11. September weithin bekannt. 

Fünfzehn Jahre später kommt die US-Flugsicherheit mit einer modernen Adaption dieses Unsinns. Das hat Methode und Funktion. Tatsächliche Terroranschläge sind in unseren Breiten sehr selten, während die Bürger derzeit fast täglich mit neuen Nachrichten über illegale Maßnahmen zur Massenüberwachung und elektronischen Rasterfahndung schockiert werden. Das gefühlte Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit ist gestört und muss wiederhergestellt werden.  Möglichst ohne Einschnitte bei der Überwachung. Damit wir uns nicht zu sicher fühlen, muss uns daher im Alltag die Terrorismusgefahr nahegebracht werden. Am besten so, dass es richtig lästig ist. 

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