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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Welt ohne Geld: Eine ARD-Doku zu den Hintergründen des Bargeldverschwindens

Wer die Doku „Welt ohne Geld“ am Montag verpasst hat, kann sie bis 30.7.2019 in der ARD-Mediathek sehen. Das Besondere an diesem 45-Minuten-Film: er zeigt, dass Bargeld nicht einfach so verschwindet, sondern von interessierter Seite aktiv verdrängt wird.

Ein Highlight ist ein lügender Deutschlandchef, Frank Keller, des weltweit führenden Online-Bezahldienstleisters PayPal, der in die Kamera behauptet, alle Daten, die PayPal weitergebe, dienten dem Geschäftszweck von PayPal, ohne dazuzusagen, dass dieser Geschäftszweck auch in der Datenverwertung liegt, und vor allem:

„Diese Daten bleiben auch nicht bei den Dienstleistern, sondern sie werden nur für diesen Zweck verwendet.“

In meinem Buch „Schönes neues Geld: PayPal, WeChat, Amazon Go – Uns droht eine totalitäre Weltwährung“, zeige ich detailliert, dass PayPal in seinen Geschäftsbedingungen darauf hinweist, dass die Daten von einer Vielzahl von Datensammlern dauerhaft gespeichert und weltweit weitergegeben werden können.

Fast ein Alleinstellungsmerkmal unter den inzwischen nicht wenigen Sendungen zum Verschwinden des Bargelds ist der Hinweis auf eine internationale Allianz von Unternehmen des Silicon Valley, der Wall Street und der US-Regierung namens Better Than Cash Alliance, die sich der Abschaffung des Bargelds verschrieben hat.  Formatbedingt – das Thema ist nicht sehr fernsehtauglich – kann der Beitrag dabei nicht allzu sehr in die Tiefe gehen. Wer mehr darüber wissen will, mit welchen perfiden Mitteln wie Tarnung, Täuschung, Bestechung und Erpressung diese Allianz die Bargeldabschaffung weltweit vorantreibt, wird in meinem Buch fündig.

Einen Auftritt hat auch Stefan Hardt, Bereichsleiter Bargeld der Bundesbank, ein honoriger Kämpfer für das Bargeld. Er weist auf die kommerziellen Interessen derer hin, die dem Bargeld an den Kragen wollen. Was er verständlicher Weise nicht erwähnt, ist der Druck unter dem die Bundesbank steht, bei der Bargeldzurückdrängung mitzumachen: ein Druck, dem sie sich nur sehr unvollkommen entziehen kann. Auch über die zwiespältige Rolle der Bundesbank finden Sie mehr in meinem Buch.

Hauptanwalt der Verteidigung (des Bargelds) in der Doku ist der britische Ex-Investmentbanker, Buchautor und Campaigner Brett Scott. Er macht seine Sache sehr gut. Außerdem sollte ich offenlegen, dass ich selbst einen kurzen Auftritt als vermeintlicher Experte habe.

Als Gegengift gegen die vielen Medienbeiträge, die den Rückzug des Bargelds als natürliche Entwicklung und entweder wünschenswert oder unvermeidlich darstellen, ist diese Dokumentation von Hanspeter Michel sehr zu empfehlen. Wer mehr zu den formatbedingt oft nur angerissenen Themen erfahren will, wird in meinem Buch fündig. Ich würde auch andere Bücher empfehlen, wenn es sie gäbe, aber ich muss unbescheiden sagen, dass meines das bisher einzige ist, das die Hintergründe, Ursprünge, Ziele und Folgen des „Kriegs gegen das Bargeld“ ernsthaft ausleuchtet. In keinem anderen mir bekannten Buch oder sonstigen Beitrag liest oder sieht man, dass es eine „Globale Partnerschaft“ der G20-Regierungen und Notenbanken mit den einschlägigen Finanz- und Datenkonzernen gegen das Bargeld gibt, und was diese tut.

Das Buch „Schönes neues Geld“ erscheint am 16. August und ist als Softcover oder als E-Book vorbestellbar ,zum Beispiel online bei Hugendubel oder im lokalen Buchhandel. Eine Hörbuchversion wird es vom ABOD-Verlag geben, vermutlich zum gleichen Termin.

[30.7.2018]