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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

STIMMT ES, DASS ... ein Verzicht auf Fracking Deutschland teuer kommt?

Die Umweltrisiken der Gasfördertechnik sind kaum erforscht und umstritten. Zu warten, bis die Risiken eingeschätzt werden können, kostet uns aber wahrscheinlich wenig. Es könnte sogar ein gutes Geschäft sein. Deutschland schaut neidvoll auf die USA, weil der Boom des Frackings der US-Industrie einen beträchtlichen Vorteil bei den

Energiepreisen beschert. Beim Fracking wird mit giftigen Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck in gasführende Gesteinsschichten gepresst. So lassen sich anders nicht ausbeutbare Gasfelder erschließen. 

Vor allem die giftigen Zusatzstoffe in den großen Mengen Fracking-Wasser, die benötigt werden, rufen Besorgnis hervor. Es wird befürchtet, dass das im Untergrund bleibende Giftwasser den Weg in die Trinkwasserreserven findet. Von dem wieder an die Oberfläche gepumpten Abwasser fallen große Mengen an, die sicher entsorgt werden müssen. Gelehrte und Ämter streiten noch, wie groß die Risiken sind. Möglich, dass sie vertretbar sind. Möglich auch, dass die USA das hemmungslose Fracking in zehn Jahren bitter bereuen werden. 

Was ist also schlimmer: Wir warten ab und verzichten für eine Weile unnötig auf einen Vorteil durch niedrigere Gaspreise, oder wir legen möglichst bald mit dem Fracking los und stellen später fest, dass wir dadurch unser Trinkwasser vergiftet haben? 

Für die Antwort ist ein Aspekt erschöpfbarer natürlicher Ressourcen besonders wichtig: Man kann sie nur einmal aus der Erde holen und nutzen. Wenn wir die Gasvorkommen jetzt fördern, stehen sie später nicht mehr zur Verfügung. Wenn wir jetzt auf die Förderung verzichten, haben wir sie später noch. 

Derzeit sind die Energiepreise, vor allem durch das Fracking in den USA, verhältnismäßig niedrig. Es ist sehr damit zu rechnen, dass sie in ein oder zwei Jahrzehnten erheblich höher sein werden. Zu warten, bis das US-Experiment uns die nötigen Informationen zur Einschätzung der Risiken liefert, kostet uns also wahrscheinlich wenig, vielleicht ist es sogar ein gutes Geschäft. 

Zudem kann nur eigenes Erdgas, das wir noch haben, einen Beitrag als eiserne Versorgungsreserve liefern, nicht das, was wir schon verbrannt haben. 

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