EZB-Paket bekommt schlechte Noten

Besser als nichts, so etwa lautet das fast einhellige Urteil der Mitglieder des EZB-Schattenrats über das Maßnahmenpaket gegen Kreditklemme und Deflationsgefahr, das die Europäische Zentralbank (EZB) 5. Juni beschlossen hat. Dafür, dass EZB-Chef Mario Draghi uns monatelang mit der Bekundung hingehalten hatte, die EZB sei bereit zu unkonventionellen Mitteln zu greifen, ist dieses Verdikt des vom Handelsblatt einberufenen unabhängigen Expertengremiums ernüchternd. Bemerkenswert ist aus meiner Sicht, dass inzwischen  immerhin ein Drittel des Gremiums den

Einsatz von Helikoptergeld fordert oder der Idee zumindest mit Wohlwollen begegnet. Helikoptergeld ist ein Ausdruck, der auf den berühmten konservativen Geldtheoretiker Milton Friedman zurückgeht. Die Idee dahinter ist, dass eine Institution, die praktisch umsonst Geld drucken kann, eigentlich kein Problem haben sollte, genug Geld in Umlauf zu bringen, damit es nicht zu fallenden Preisen und einer Kreditklemme kommen kann: Sie braucht nur – bildlich gesprochen – Hubschrauber aufsteigen und Geld abwerfen zu lassen. Irgend jemand wird es aufsammeln und in Umlauf bringen. Praktisch könnte es umgesetzt werden, indem die Notenbank Schecks verschickt, entweder an jeden, oder für bestimmte Zwecke, wie Arbeitsplatzschaffung, Bildung oder Aufziehen von Kindern. Willem Buiter, ehemaliger britischer Notenbanker und heutiger Chefvolkswirt der Citigroup vertritt diesen Vorschlag ebenso wie die Universitätsprofessoren Richard Werner und Merijn Knibbe, sowie der Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Natixis, Sylvain Broyer.

 Anders als der Ankauf von öffentlichen Anleihen, der im Schattenrat etwa gleich viele Befürworter hat, oder von Wertpapieren generell, bricht das Helikoptergeld mit dem Dogma, dass Zentralbanken immer nur über die Geschäftsbanken, allenfalls noch über die sonstigen Finanzmarktakteure, Geld in Umlauf bringen sollen. Das ist ein für die Finanzbranche sehr einträgliches Dogma. Aber es führt die Geldpolitik in Zeiten wie diesen in die selbst-gewählte Machtlosigkeit. Sie muss die Finanzbranche immer weiter mit Geschenken überhäufen und immer mehr Geld in die Finanzmärkte pumpen, in der Hoffnung, dass ein bisschen was davon  auch bei der Wirtschaft ankommt. Das ist nicht nur ungerecht, es ist dazu noch gefährlich. Denn Finanzmärkte, die sich von der Realwirtschaft abkoppeln, legen irgendwann den Rückwärtsgang ein.

Das Protokoll der letzten Schattenratssitzung (in Englisch) mit Mitgliederliste finden Sie hier.

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